Analoge Abenteuer oder warum es meine schönsten Momente nicht in die sozialen Medien geschafft haben.

Wie oft liege ich abends im Bett und scrolle durch die aufregenden Feeds der schönen Influencer dieser Welt, die jeden Tag in ein anderes Land jetten oder in teurer Garderobe auf irgendeinem anonymen Event dinieren und dabei immer top gestylt sind.
Wie oft frage ich mich dann etwas verunsichert und geblendet von all‘ dem zur Schau gestellten Überfluss: Verpasse ich etwas? Ist mein Leben nur halb so spannend wie das von Bloggerin X und Blogger Y? Genieße ich mein Leben denn wirklich in vollen Zügen? Und schlimmer noch: Mache ich etwas falsch, weil mein Alltag aus ganz anderen Dingen besteht? Sowas Normalem wie einem 45 Stunden-Job, 7,5 Stunden Schlaf, entspannten Wochenenden, ’ner halbwegs funktionierenden Work-Life-Balance und ein bisschen me-time zwischendurch?

Unsere Generation aus egozentrischen Y’s und selbstverliebten Millennials neigt dazu, nur etwas über die eigenen (vermeintlichen) Erfolge und Highlights zu posten, um Misserfolge und Fehlentscheidungen unbeobachtet unter den Teppich zu kehren.
Alles supi / läuft bei mir / puhh, alles ’n bisschen anstrengend, aber hey, #influencerlifestyle! / könnte mir nicht besser gehen / jeden Tag woanders / dies‘ das Ananas /  Jetset-Lifestyle / #livingthegoodlife / ja man, 675 Tsd. Followers / so ein Leben als Influencer hat schon seine Vorteile, ist aber auch harte Arbeit / hab mit 22 schon die ganze Welt gesehen / reise aber nur mit meinem persönlichen Fotografen an / #nofilter /#wokeuplikethis / …
In dieser perfekten Welt aus noch perfekteren Momenten und makellosen Lebenswegen, komme ich mir manchmal klein und unbedeutend vor. Bei mir schauen keine 100k Menschen zu, wie ich mein Leben auf die Reihe kriege. Und nein, ich fliege nicht jeden Tag um die halbe Welt, teile meine insta-Story nicht mit Cara Delevingne und Co., schicke mir keine Herzchen-Emojis mit Stefano Gabbana gegenseitig per whatsapp und sehe auch nicht jeden Tag gleichbleibend gut aus. Vielmehr besteht meine Woche aus lauter Moody Mondays, unvorhersehbaren Ups and Downs, Bad Hair Days, bunten Lieblingstagen, kleineren und größeren Katastrophen und einigen wunderbaren Highlights, die mein Leben so besonders machen. Jawoll, „It’s the little things in life“!

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Dann denke ich an das, was mir echte Freude bereitet und das sind die kleinen Momente zwischen den Zeilen:

♥ Wenn ich ein neu einstudiertes Klavierstück zum ersten Mal fehlerfrei durchgespielt habe.
♥ Wenn ich Jekyll seine Lieblingsspeise (Hunde-Bolognese) mit ganz viel Liebe zubereite und er sich danach zufrieden die Samtlippe abschleckt.
♥ Wenn ich mit einer Freundin auf einem klapprigen Tretboot Hamburgs Alsterkanäle entlangschippere und wir mit ’nem improvisieren Hugo to go anstoßen.
♥ Wenn jemand Vertrautes mit leuchtenden Augen zu mir sagt „Ja, ich erinnere mich“.
♥ Wenn ich nach einem produktiven Arbeitstag in meine stille Wohnung taumel und mich erschöpft (aber auch ein bisschen stolz) in mein weiches Bett fallen lasse.
♥ Wenn der dickbäuchige Spatz auf dem Baum vor meinem Fenster gutgelaunt sein Morgenlied anstimmt und den neuen Tag begrüßt.

♥ Meine Beförderung, die ich mir hart erkämpft habe.
♥ Die wunderbaren Mitternachtsgespräche mit Freunden auf dem Balkon, wo wir uns die Welt erklärt haben.
♥ Der Tag, an dem ich zum ersten Mal mein kleines Hundebaby im Arm gehalten habe, bevor es sich zufrieden schmatzend auf meinem Schoß zusammengerollt hat.
♥ Eine der stillen Wanderpausen in den Bergen mit schönster Aussicht auf schneebedeckte Gipfel.
♥ Die Momente, in denen mir vor lauter Schönheit um mich herum Tränen der Dankbarkeit in die Augen steigen.
♥ Die Tage, an denen ich mich im Spiegel ansehe und mein Schatten-Ich erkenne. Und mich selbst dabei richtig doll mag.
♥ Wenn eine Freundin mir die Hand drückt und sagt „Wie gut, dass ich dich hab“.
♥ Unvergessliche Konzerte mit hämmernden Beats, auf denen ich mir schweißgebadet die Seele aus dem Leib tanze.
♥ Tage, an denen ich Jekyll einpacke und mit ihm spontan ans Meer fahre. Nur er und ich.

DAS sind meine Happy Moments, meine #Herzschlagmomente*, für die ich morgens aufstehe, für die ich mich aufopfere, für die ich kämpfe und für die ich jedes andere Leben eintauschen würde.

Ich musste erst lernen, im Kleinen Großes zu entdecken und mittlerweile bin ich ziemlich gut darin. Ich freue mich über kleine, versteckte Gesten der Liebe und Zuneigung, die im Trubel des Alltags leicht zu übersehen sind. Ich verbringe Freitagabende allein auf der Couch, in der rechten Hand ein gutes Buch, mit der linken Hand kraule ich mein friedlich schummerndes Hundekind. Ich verteile großzügig Umarmungen und herzliche Worte an Menschen, die mir nah stehen und lächle einmal mehr jemanden Fremdes in der Bahn an. Leise Gesten in einer lauten Welt. Und viele dieser Herzschlagmomente schaffen es nicht in den Social Media-Kosmos. Sie sind zu unperfekt, zu wenig inszeniert und am allermeisten: spontan. Bis ich mein Handy hervorgekramt und alles zurecht gezupft habe, hat sich der Moment bereits verflüchtigt. Dann ist die Magie schon längst verflogen und alles danach wird bloß zu einer künstlich adaptierten Szenerie. Deswegen lass ich es gleich bleiben. Ich hole mein Handy nicht hervor, sondern steh einfach da und schau (richtig) hin, hör genau zu oder erfreu mich einfach an diesem flüchtigen Augenblick. Kein Moment deines Lebens sollte auf Posting-Tauglichkeit geprüft und nach der Anzahl von Likes irgendwelcher fremden Leute beurteilt werden. Dieser eine Moment war für dich wichtig. Er hat dich lächeln lassen, dich wieder aufgebaut, dir Kraft gegeben oder dir neue Hoffnung geschenkt. Also war er es wert, dass du ihm deine ganze Aufmerksamkeit widmest.
Das nächste Mal, wenn du solch einen besonderen Moment erlebst und ihn einfach nur genießt, ohne ihn für die Social Media-Welt festhalten zu wollen, und du es schaffst, dem Reflex nach deinem Handy greifen zu wollen zu widerstehen, denk an mich. Denk an meine Worte und fühl es einfach, dieses Glück. Ist es nicht wunderbar?

* Nun bist du gefragt: Was sind deine ganz persönlichen Herzschlagmomente? Teil deine Geschichte mit uns und tag sie unter #Herzschlagmomente auf instagram. Ich bin gespannt und freu mich auf deine Happy Moments! 🙂

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Ich bin tellyventure, dein inspirierender Wohlfühlblog mit Herz und Verstand. Hier schreibe ich über Themen wie Mindfulness, Lebensfreude, Abenteuer und Selbstentfaltung – also alles rund um ein glückliches und bewusstes Leben.

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2 Comments

  • Nemeryll
    23. Juni 2018 at 15:56

    So ein schöner und wichtiger Beitrag. Viel zu oft sehen wir die kleinen, aber schönsten Momente im Leben nicht, weil wir uns zu sehr mit dem nächsten Instagram-Filter vergleichen. Danke für den Denkanstoß!

  • tellyventure
    tellyventure
    24. Juni 2018 at 12:02

    Vielen Dank für dein Feedback, liebe Susanne! 🙂 Hab einen schönen Tag!

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