DAS MODELL DER INNEREN FÜNF ANTREIBER UND WIE DU SIE FÜR DICH NUTZT

Das Konzept der inneren fünf Antreiber geht auf den amerikanischen Psychiater und Begründer der Transaktionsanalyse Eric Berne (1910–1970) zurück.
Bei diesem Modell handelt es sich um (un-)bewusste Steuerungssysteme, die unser Denken, Fühlen und Verhalten – insbesondere unsere Entscheidungen – beeinflussen. Es sind Botschaften, Glaubenssätze oder „Stimmen von Autoritären“, die wir im Laufe unseres Lebens verinnerlicht haben. Ihr Ursprung liegt in der Kindheit und seinen prägenden Lebensumständen. Solche unter dem Einfluss der Eltern und anderer Erziehungspersonen entwickelten Glaubenssätze beeinflussen unsere Wahrnehmung, unser Denken und damit unseren Lebens- und Arbeitsstil als Erwachsene nachhaltig. Die fünf inneren Antreiber – „Sei perfekt!“, „Sei schnell!“, „Sei stark!“, „Sei gefällig! und „Streng dich an!“ – wurden im Laufe des Lebens zu einem wichtigen Bestandteil unseres Alltags, denn sie geben uns Orientierung und Sicherheit.
Solange ihr Einfluss nicht übermächtig wird und uns diese charakteristischen Denk- und Verhaltensmuster nicht einengen oder gar belasten, sind sie hilfreich und effektiv. Nur leider verläuft die Grenze zur Selbstüberforderung fließend. Besonders in Belastungssituationen suchen wir nach Strategien, um dem Stress und dem Druck zu entkommen. Daher handeln wir oft nach verinnerlichten Anweisungen – den inneren Antreibern – denen wir zwanghaft folgen.

1.) Sei perfekt!

Die Menschen, die diesem Antreiber folgen, haben den Anspruch an sich selbst, alles immer noch besser zu machen. Sie streben nach Vollkommenheit und finden stets Verbesserungsmöglichkeiten. Deshalb ist nichts von dem, was sie tun, „gut genug“. In ihren Augen zählen nur absolut fehlerfreie, makellose Ergebnisse. Jeder Fehler wird als Bloßstellung empfunden und muss deshalb unbedingt vermieden werden. Das verzögert den gesamten Arbeitsprozess. Weil sie sich an weniger wichtigen Kleinigkeiten aufhalten, verheddern sie sich irgendwann in einem wirren Netz aus Übergenauigkeit und akutem Zeitdruck. Dadurch werden wichtige Aufgaben nicht zu Ende geführt und es entsteht sogleich das Gefühl gescheitert zu sein. Nicht nur das Selbstwertgefühl wird untergraben, man wird regelrecht überschwemmt von einer heranrollenden Welle aus Frustration und Hilflosigkeit – im schlimmsten Fall lässt sie uns hinterher in Ohnmacht erstarren.

Antreiber_Erlaubnis4

2.) Beeil dich!

Menschen, die diesen Antreiber folgen, fühlen sich permanent gehetzt, um Termine einzuhalten oder Aufgaben fristgerecht zu erledigen. Sie beginnen schon mit der nächsten Aufgabe, bevor die vorherige erledigt ist. Oft ohne einen Plan oder einem genauen Ziel vor Augen. So werden Aufgaben begonnen, aber nicht zu Ende gebracht, weil immer etwas anderes dazwischen kommt. Daher der Versuch mit „Multitasking“ alles gleichzeitig zu bewältigen. Wir streben immerzu danach, die Kontrolle und den Überblick über das Geschehen zu bewahren. In der Kommunikation zeigt sich dieser Antreiber bei einer Person in hektischen Bewegungen, in schnellem Sprachtempo, in ungeduldigem Verhalten gegenüber anderen und in innerer Unruhe. So finden Gespräche häufig zwischen Tür und Angel statt, wodurch die wichtigen, tieferliegenden Informationen auf der Strecke bleiben. Sie hören nicht richtig zu, lassen sich leicht ablenken und schauen auch nicht genau hin. Womit auch immer sie sich beschäftigen, sie kratzen nur an der Oberfläche, denn es muss ja alles schnell gehen. Das führt dazu, dass sie sich verzetteln und zeitlich sowie inhaltlich keine Schwerpunkte mehr setzen. Am Ende des Tages lauert schon die (körperliche und geistige) Erschöpfung, denn es bleibt keine Zeit für einen selbst. Sie nehmen sich nicht die Zeit, Wesentliches zu erleben und es mit anderen zu teilen. Erfüllt-Sein wird ersetzt durch Schnell-Sein und Viel-Tun. Was sie brauchen, ist Ruhe, stattdessen bringen sie nur noch mehr Energie sie auf, um dem nächsten Impuls nachzujagen. Neben der Angst, etwas zu verpassen, kann also auch die Angst vor Nähe eine Rolle spielen.

Antreiber_Erlaubnis6

3.) Sei stark!

Menschen die diesem Antreiber folgen, haben den Anspruch, unter allen Umständen zu funktionieren und stets die Kontrolle zu behalten. Sie beherrschen es, sich nicht anmerken zu lassen, wenn etwas schief läuft, sie überfordert sind oder ihnen gerade alles über den Kopf wächst. Als geübte Multitasker würden sie auch dann noch zusätzliche Aufgaben mit einem lässigen „Kein Problem, ich hab alles im Griff“ entgegennehmen und ihre innere Aufregung dabei gekonnt verbergen. Nach außen projizierte Stärke empfinden sie als einen Garant für Unabhängigkeit und Überlegenheit. Es entsteht ein Gefühl der scheinbaren Sicherheit, das die Angst vorm Scheitern verdeckt. Bevor sie um Hilfe oder Unterstützung bitten, erledigen sie lieber alles selbst. Auch bei einer hohen Arbeitsbelastung oder enormem Druck wahren sie eine ruhige Ausstrahlung und zeigen wenig Emotionen in der Kommunikation. Sie schaffen es mithilfe ihrer Widerstandskraft und ihrem ausgeprägten Kampfgeist, Dinge voranzubringen, auch wenn es schwierig wird. Sie beklagen sich nicht, sondern halten es professionell. Menschen, die sehr unter dem Einfluss des „Sei stark“-Antreibers stehen, wirken oft wachsam und angespannt. Sie fühlen sich jedem Angriff gewappnet, solange sie vor anderen keine Schwäche zeigen.

Antreiber_Erlaubnis3

4.) Sei gefällig!

Menschen die diesem Antreiber folgen, versprechen viel, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Allerdings halten sie davon wenig ein. Sie sind freundlich, aber drücken sich oft ungenau aus. Ihre Antworten erfüllen vor allem den Zweck, ihrem Gegenüber zu gefallen. Die eigentliche Aussage ist dabei zweitrangig, oft entspricht sie nicht einmal der eigenen Überzeugung. Bevor ich mit ihrer persönlichen Meinung anecken, halte sie sich mit ihrer Aussage lieber bedeckt. Ihre größte Angst besteht nämlich darin, abgelehnt zu werden oder nicht dazuzugehören. Sie definieren sich über die Wertschätzung anderer und bewerten das eigene Verhalten nach den Reaktionen des direkten Gegenübers. Konflikte werden lieber vermieden, um keine schlechte Stimmung hervorzurufen; auch dann, wenn es eigentlich wichtig wäre, für sich selbst einzustehen. Aber weil sie in emotional aufgeladenen Stresssituationen nicht genau wissen, wer sie sind oder was sie wollen, signalisieren sie Anpassung oder versuchen die Erwartungen des Gegenübers zu erkunden, um danach zu handeln. Sie haben wenig Konturen, was oft mit einem verminderten Selbstvertrauen und einer schwach ausgebildeten Identität zusammenhängt.
Beim „Sei gefällig!“-Antreiber sind die anderen immer wichtiger als man selbst. Während des Versuchs, es immer allen anderen recht zu machen, stellen diese Menschen allzu oft ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinten an. Ihre eigenen Ansprüche und Vorstellungen werden verleugnet oder sind nicht präsent. Und immer wieder verschieben sie ihre persönlichen Grenzen für andere, denn es fällt ihnen sehr schwer „Nein“ zu sagen. Ob das zwanghafte Streben nach Anerkennung bei ihnen selbst Belastung oder Stress hervorruft, ist in ihren Augen zweitrangig. Sie agieren nach dem Leitsatz: Wenn alle um mich herum glücklich sind, dann bin ich es auch.

Antreiber_Erlaubnis

5.) Streng dich an!

Menschen, die vom „Streng dich an“- Antreiber gesteuert werden, arbeiten oft bis spät in die Nacht hinein, um Aufgaben mit großer Gründlichkeit und Ausdauer zu bearbeiten. Dabei üben sie sich in Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. Bei neuen Herausforderungen verspüren diese Menschen einen starken Leistungsdruck, einhergehend mit erheblichen Zweifeln am Gelingen. Trotzdem kommt aufgeben für sie nicht in Frage. Ihre persönlichen Ansprüche sind sehr hochgesteckt, denn sie wollen zu den besten der besten gehören, auch wenn es sie viel Energie kostet. In ihren Augen zählt nur das, was mit viel harter Arbeit und unermüdlicher Anstrengung erkämpft wurde. Ist etwas leicht zu bekommen, hat es für sie keinen besonders hohen Wert. Daher wählen sie oft den anstrengenderen und gleichzeitig umständlicheren Weg. Um ihre Leistungsfähigkeit und ihr Engagement zu beweisen, erledigen sie viele Dinge parallel und strengen sich noch mehr an, um negativem Feedback zu entgehen.

Antreiber_Erlaubnis6

 

Mein Rat an dich:
Identifiziere deine eigenen inneren Antreiber, die dir Druck machen und finde für sie eine Erlaubnis-Alternative. Z.B.: „Sei schnell!“ versus „Eins nach dem anderen.“ oder „Sei perfekt!“ versus „Ich darf auch Fehler machen.“ Verinnerliche diese Leitsätze und achte darauf, dass dich festgefahrene Strukturen in deinem (Arbeits-)Alltag nicht einschränken.

tellyventure

Ich bin tellyventure, ein inspirierender Lifestyle-Blog mit Herz und Verstand. Ich schreibe über wilde Abenteuer, täglich praktizierte Achtsamkeit, eine positive Lebensgestaltung, den Zeitgeist unserer Generation und interessante Menschen – also über die schönen und wirklich wichtigen Dinge im Leben.

You might also like

2 Comments

  • Noirin & Lyra
    3. Oktober 2016 at 11:01

    Als ich das hier las bekam ich Angst. Vor einiger Zeit trafen alle 5 auf mich zu. Nummer 5 konnte ich bereits ablegen, zumindest fast. Es ist erschreckend wie schlimm man sich diesen Leitsätzen verschreiben kann und dabei kein deutlich glücklicher wird, je mehr man versucht ihnen zu entsprechen. Ich bin völlig erstarrt gerade. Ich begreife gerade das ich Zielen hinterher jage, die auf anderen einfacheren Wegen genauso erreichbar sind. Und diese so glücklicher machen.

  • tellyventure
    tellyventure
    3. Oktober 2016 at 21:29

    Danke für deinen ehrlichen Kommentar! 🙂 Mir geht’s genauso. Wenn man sich erstmal ausführlich mit den Ursachen beschäftigt, ist es einfacher, etwas zu verändern. Ich wünsche dir Alles Gute auf deinem Weg dahin, jeden Tag ein bisschen stärker zu werden. 🙂

ABOUT

tellyventure

tellyventure

THEMEN

NEWSLETTER

Gönn' dir deine regelmäßige Portion Lebensfreude to go – mit dem tellyventure-Newsletter! Es warten jede Menge Lifestyle-Tipps, Worksheets & inspirierende Texte rund um's Thema "Bewusster Leben" auf dich. Sei immer up-to-date und folge mir per Mail.

KONTAKT

Hamburg, Germany