GLÜCKSGEDANKEN #01.

Die verzweifelte Suche nach dem Glück

Die Welt wird zunehmend darauf ausgelegt, uns depressiv zu machen. Zufriedenheit ist nicht besonders gut für die Wirtschaft. Noch schlimmer: Sie schadet ihr.
Wenn wir mit dem glücklich und zufrieden wären, was wir haben, warum sollten wir nach mehr verlangen?
Wie verkaufst du eine Anti-Aging Creme? Du sorgst dafür, dass der Mensch sich vor dem Altern fürchtet.
Wie drehst du den Leuten eine Versicherung an, die sie eigentlich gar nicht brauchen? Du gibst ihnen das Gefühl, sie seien verwundbar und könnten jederzeit erkranken.
Wie sorgst du dafür, dass populistische Parteien an Zulauf gewinnen? Indem du das verlorene Vertrauen der Bürger in die Politik ausnutzt, um den Flüchtlingen jede Schuld zuzuweisen.
Wie bringst du hart arbeitende Menschen dazu, ein ganzes Jahr lang auf ihren „Traumurlaub“ in einem Luxusresort zu sparen? Du definierst es als das unbedingte Streben nach mehr Lebensqualität und knüpfst dies an die Illusion, Zuhause könne niemand richtig entspannen. Du schaffst einen dauerhaften Konkurrenzkampf unter den Menschen, der von heimlichem Sozialneid und hässlicher Geltungssucht befeuert wird.
Wie bringst du Menschen dazu, sich bei einem Schönheitschirurgen unter’s Messer zu legen? Du betonst ihre äußerlichen Mängel, die kleinen unperfekten Stellen ihres Körper, die eigentlich ganz charmant sind.
Wie bringst du sie dazu, regelmäßig den Fernseher einzuschalten? Indem du ihnen das Gefühl gibst, andernfalls etwas zu verpassen und nicht mitreden zu können.
Wie bringst du sie dazu, ein neues Handy zu kaufen, obwohl ihr jetziges noch einwandfrei funktioniert? Indem du sie glauben lässt, sie würden sonst in der Technik hinterherhinken.

Wenn wir uns also mit unserer eigenen „non-upgraded“ – unserer mehr durchschnittlichen als außergewöhnlichen – Existenz zufrieden gäben, wäre das nicht gut für’s Business.
Wir versuchen ständig die schmerzenden Wunden unserer Vergangenheit mit neuen Besitztümern oder Ersatzdrogen zu bandagieren. Dabei werden wir erst einmal richtig bluten, bis sie vollständig verheilt sind. Du kannst natürlich versuchen die Blutung zu stoppen – mit Alkohol, Drogen, Essen, Sport, Arbeit, Zigaretten oder unverbindlichem Sex. Wahrscheinlich wird das für eine Weile gut gehen. Aber du wirst dadurch nur immer mehr Ballast anhäufen und dich gleichzeitig leerer fühlen.
Stattdessen musst jede Wunde öffnen, hineingreifen und den Stachel herausreißen. Und dann musst du endlich mit deinen Erinnerungen Frieden schließen. Es wird vielleicht eine Narbe zurückbleiben, aber sie wird nicht mehr dauerhaft wehtun.

Glück muss man können

Glück definiert jeder für sich persönlich. Glück ist die neue Gottheit, die wir alle anhimmeln und der wir unentwegt nacheifern. Wir suchen sie überall um uns herum. Wir verlangen, dass andere uns glücklich machen oder unseren Wert erkennen, um uns dann regelmäßig daran zu erinnern. Wir kaufen immer mehr und schätzen immer weniger wert. Wir wollen immer mehr haben und sind immer weniger wir selbst. Und überhaupt wollen wir von allem immer mehr.
Aber eigentlich ist es ganz einfach: Glück muss man können.
Es kommt weder zur Tür hereinspaziert, noch fliegt es dir zu, wenn du unzählige Ratgeber liest oder fleißig meditierst. Das Glück ist mehr wie ein Gast, der sich in deiner Tür geirrt hat und dem du höflich ein Glas Wasser anbietest. Denn Glück muss man erkennen und zulassen. Es ist vielmehr wie ein tiefliegender Schatz in uns drin, verschüttet von all den Rollenbildern, Erwartungen und falschen Hoffnungen eines nach außen gerichteten Lebens. Vielleicht solltest du viel öfter mal nach innen schauen. In dich hinein hören und herausfinden, in welche Richtung deine Kompassnadel zeigt.

„Happiness is within you… so unlock the chains from your heart and let yourself grow – like the sweet flower you are. I know the answer – just spread your wings and set yourself free.” – Jimi Hendrix to an unknown woman

Du findest Glück an unerwarteten Orten und in unerwarteten Begegnungen. Du hast die Wahl. Jeden Tag. Aus welchem Blickwinkel willst du die Welt heute betrachten?
Glück ist nicht das Ziel, es ist der Weg dorthin. Die guten und schlechten Erfahrungen, die Probleme und die Lösungen, die Erinnerungen und die Zukunftspläne. Hab den Mut, glücklich zu sein. Denn egal, was gestern war oder morgen sein wird… Du kannst sagen, du warst glücklich.

tellyventure

Ich bin tellyventure, ein inspirierender Lifestyle-Blog mit Herz und Verstand. Ich schreibe über wilde Abenteuer, täglich praktizierte Achtsamkeit, eine positive Lebensgestaltung, den Zeitgeist unserer Generation und interessante Menschen – also über die schönen und wirklich wichtigen Dinge im Leben.

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4 Comments

  • Jennifer
    7. Dezember 2016 at 13:23

    Ein wirklich ganz toller Post, der mich sehr zum Nachdenken anregt! Eine kritische, gelungene Betrachtung und ich gebe dir Recht, man muss Glück können! Wenn wir nicht in der Lage sind Glück zu zulassen, uns von ihm finden zu lassen, werden wir weiterhin in diesem Fremddruckgefühl verharren…

  • tellyventure
    tellyventure
    7. Dezember 2016 at 20:23

    Liebe Jennifer,
    Danke für dein positives Feedback! 🙂 Es ist immer wieder schön, zu lesen, wenn sich jemand anderes in deinen Gedanken wiedererkennt. 💗 Ganz liebe Grüße an dich!

  • Paleica
    13. Dezember 2016 at 8:19

    ich weiß nicht, ob es nicht einen unterschied gibt zwischen glück und zufriedenheit. ich habe das gefühl, dass uns vorgegaukelt wird, wir sollten permanent nach glück streben – ein zustand, der immer nur temporär ist und daher zu all den dingen führt, die du oben ansprichst – und den nicht zu erreichen uns eben depressiv macht. dass aber zufriedenheit in wahrheit das „bessere“ glück ist, weil es ein dauerzustand sein kann…

  • tellyventure
    tellyventure
    15. Dezember 2016 at 14:45

    Da hast du Recht. Auch ich strebe nach Zufriedenheit mit vereinzelten Glücksmomenten. 🙂