Vor kurzem hat mir meine Arbeitskollegin von ihrem geplanten Tattoo erzählt, dem simplen Spruch It is what it is. „Mhmm, irgendwie nicht so spannend“, war mein erster Gedanke. Also fragte ich sie „Warum genau dieser Satz?“, woraufhin sie mir von ihrem Sabbatical im letzten Jahr erzählt hat. Vier glückliche Monate auf Bali plus Yoga-Ausbildung. Während sie von ihrer Reise berichtet, strahlt sie. „Beim Yoga ist es nicht wichtig, was andere über dich denken oder wie gut du die Übungen ausübst. Beim Yoga bist du ganz bei dir. Du trainierst für dich und schaust nicht nach rechts oder links, sondern immer nur nach innen.“ Das gefällt mir. Und erst jetzt bemerke ich, was es ist, das sie ausstrahlt: Ruhe. Unaufdringliche Gelassenheit. So gelassen wie sie… so möchte ich auch sein. Also wiederhole ich diesen einen Satz seither wie ein Mantra: It is what it is. It is what it is. It is what it is… und gerate dabei ins Grübeln…
5 Worte und meine Welt steht Kopf. Ein Satz, dessen Wirkungskraft sich erst mit der Zeit entfaltet, je länger man über seine Bedeutung nachdenkt. Ein Satz, der nachhallt und der sich in meinem Gehirn festgekrallt hat.

Ich frage mich, woher nimmt sie diese Genügsamkeit? Und wieso kann nicht auch ich gelassener auf mein Leben schauen? Wozu der ganze Stress, wenn ich so vieles eh nicht beeinflussen kann? Warum muss alles immer nach Plan verlaufen?
Jeder hat eine andere Ausgangssituation, eine andere Vergangenheit, andere Gene, andere Mentalitäten, andere Stärken und Schwächen und mehr oder weniger gut entwickelte Werkzeuge zum Überleben. Wir können uns gar nicht an einander messen oder miteinander vergleichen, weil wir alle aus unterschiedlichen Welten kommen. Andere Welten, andere Sitten.
Warum müssen wir ständig alles benennen/analysieren/kategorisieren? Reicht es nicht, etwas einfach nur wahrzunehmen, ohne zu werten?

„Wenn man die Ruhe  nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.“ – Francois de La Rochefoucauld

Ich glaube, um mit sich selbst Frieden zu schließen, ist es ganz wichtig, sich frei zu machen von der Vorstellung, die man bisher von seinem Leben hatte und von dem diffusen Bild, was andere von einem zeichnen. „Zu sich selbst finden“ ist ein beliebtes Thema unserer Generation und überall findet man diverse Anleitungen dazu. Es gibt mittlerweile so viele unterschiedliche Wege, sein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen, wie es Menschen gibt. Sogenanntes Soulfood gibt es in vielerlei Ausführungen: Von Yoga über Meditation und Atemübungen bis hin zum Malen, Joggen oder Musik machen. So verschieden diese Aktivitäten auch sein mögen, eins haben sie gemeinsam: Sie sorgen dafür, dass du dich für eine gewisse Zeit nur mit dir selbst beschäftigst. Du bist der Mittelpunkt und die Außenwelt gerät dabei in den Hintergrund oder wird ganz ausgeblendet. In diesem Moment bist du ganz bei dir. Du schraubst dein Tempo herunter, entspannst dich und lässt los.

Deswegen habe ich heute eine kleine Aufgabe für dich, die sich auf die nächsten drei Monate bezieht:
Plane jede Woche mindestens einen Tag ein, den du nur dir selbst widmest, um deinen „Akku“ wieder aufzuladen. Ein Tag mit viel Stille und Raum für Dinge, die sonst im stressigen Alltag viel zu oft zu kurz kommen. Such dir beispielsweise einen physischen Ausgleich, der dir Spaß macht, wenn du den ganzen Tag über viel Kopfarbeit leistest. Oder trainiere deinen Geist so lange, bis du es schaffst, 15 Minuten mal gar nichts zu denken.
Egal wie und wo und wann, wichtig ist nur: Reserviere dir Zeit für dich und deine Gedanken, die dich umtreiben. Plane kleine Verschnaufpausen mit ein. Learn to rest, not to quit. Nimm dir zwischendurch auch mal 10-20 Minuten „Me-Time“ am Tag, um dich neu zu ordnen, den nächsten Tag zu planen und dir selbst ein wenig zuzuhören.

„Detachment doesn’t mean you own nothing. It means that nothing owns you.“ – Jay Shetty

Wenn du es in Zeiten von Social Media und Influencer-Wahnsinn schaffst, dein Ego zu überwinden und solch negativen Gefühlen wie Neid, Eifersucht und Missgunst den Kampf ansagst, lebst du viel gesünder. Wenn du dein eigenes Handeln regelmäßig hinterfragst und reflektierst, wirst du dich nicht von Äußerlichkeiten beherrschen lassen. Wenn du dich selbst kontrollieren kannst und auf deinen inneren, moralischen Kompass vertraust, findest du das, was du schon so lange gesucht hast, tief drinnen in dir selbst. Und was das Entscheidende ist: Du lebst dein Leben viel gelassener.