Minimalismus für Einsteiger: Gönn dir mal weniger vom Mehr.

Ein einfaches Leben, frei und unbeschwert – irgendwie wünschen wir uns das alle. Doch in unserer modernen Welt geht diese Einfachheit oft im Alltagstrott unter: Konsum, Besitz und Leistung scheinen zumindest vordergründig die wichtigeren Werte zu sein. Also habe ich mich auf die Suche begeben, bin dabei auf den Begriff Minimalismus gestoßen und dem Trend zur Einfachheit gefolgt.
Am Anfang hatte ich viele Fragen: Was bedeutet der Begriff Minimalismus ganz konkret? Wer kann sich als Minimalist bezeichnen, gibt es da bestimmte Kriterien? Ist das Leben als Minimalist mit Verzicht gleichzusetzen? Wo setze ich an, wenn ich mich bewusst mit meiner eigenen Lebensweise auseinander setzen möchte? Wonach leben Minimalisten? Heute habe ich ein paar Antworten für euch.

 ⇒ DEFINITION

Beim Minimalismus steht die subjektiv erlebte Lebensqualität im Vordergrund und es geht vor allen Dingen ganz wertungsfrei um „das Reduzieren auf das (subjektiv) Wesentliche — in jedem Lebensbereich“. Der Begriff Minimalismus wurde erstmals 2008 von David Michael Bruno verwendet, der mit seiner The 100 Thing Challenge eine Gegenbewegung zu dem in den USA vorherrschenden Konsum-Überfluss entwickelte. Minimalismus bedeutet also auch Fokus. Fokus auf die Funktion, auf den Kern, auf den Zweck oder ganz einfach: auf das Wesentliche. Er schafft Ordnung, Organisation und Konzentration. Minimalismus bedeutet loslassen – egal, ob materielle Güter oder emotionale Bindungen – und frei sein. Mithilfe minimalistischer Denkanstöße befreist du dich von überflüssigen Dingen, die du nicht brauchst und schaffst Platz für kreative, tiefgehende Gedanken. Denn durch diese neuerkämpfte Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen anderer, gewinnst du an Zeit. Wertvolle Zeit für persönliches Wachstum, für Produktivität, für Kreativität, für aufregende Aktivitäten, für interessante Hobbys, für wichtige Erfahrungen, für emotionale Beziehungen und für neue Ideen.

Minimalismus vereinfacht das eigene Leben, in dem man sich auf seinen Lebensstil konzentriert und keine Ablenkung durch äußere Einflüsse zulässt. Leider bewertet die Gesellschaft, in der wir leben, Geld und Besitz völlig über. Wir wollen in allem immer noch schneller und effektiver werden, dabei leiden wir längst unter der dahinrasenden Schnelllebigkeit unserer Zeit. Viele fühlen sich beruflich überbeansprucht, denn der ständige Termindruck laugt sie aus. Hinzu kommt eine penetrant gesteuerte Reizüberflutung durch die Massenmedien, die uns Zeit und Muße für tiefgründigere Gedanken raubt und den Sinn für wahren Genuss vergessen lässt. Deswegen versucht der Minimalismus Alltagszwängen durch Konsumverzicht entgegenzuwirken und eine Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft zu schaffen (Quelle: wikipedia.de). Minimalismus beinhaltet eine aktive Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gründen des eigenen Konsumverhaltens und eine sorgfältige Überlegung bei jeder Anschaffung.

PHILOSOPHIE

Minimalisten kaufen lediglich Dinge, die einen Mehrwert in ihr Leben bringen. Sie konzentrieren sich auf die Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind und beseitigen jene, die dem im Weg stehen. Das schafft Klarheit und hilft dabei, den Alltag neu zu strukturieren. Minimalisten arbeiten konzentriert, denken effektiv und bleiben fokussiert. Sie leben sparsam, aber sind deshalb nicht arm, sondern genügsam. Ich weiß als Minimalist den Wert meines Besitzes zu schätzen und bin trotzdem (geistig und finanziell) nicht von ihm abhängig. Ich hänge mein Herz nicht an Gegenstände, sondern verliere es an Menschen, an Tiere und an Orte. Ich strebe als Minimalist nach dem Maximum an Lebensfreude und Lebensqualität. Hast Du Dich auf das Wesentliche reduziert, gewinnst Du nicht nur Zeit und Geld, sondern auch eine gewisse Freiheit. Damit kannst Du Dich auf die wichtigen Dinge des Lebens stürzen und lernst, deine Eindrücke besser zu filtern.

„Der Margarinier sammelt keine Reichtümer. Er will nichts besitzen, damit er die Hände frei hat zum Leben. Er braucht nur das, was er braucht, und weil er fast nichts braucht, hat er alles, was er braucht, auch dann, wenn er fast nichts hat. Dadurch ist er glücklich.“ – Janosch

Nicht falsch verstehen: Dieser Weg zu einem erfüllteren Leben ist selbst-definiert und es gibt kein richtig oder falsch. Jeder Minimalist lebt ein von persönlichen Idealen geprägtes Leben nach seiner individuellen Vorstellung. Minimalismus ist ein Weg, kein Ziel. Ein Prozess, kein Zustand. Er bietet einem die Möglichkeit sein eigenes Leben langfristig zu beeinflussen, zu verändern und positiver zu gestalten. Er ist eine Lebenseinstellung, die auf verschiedenste Lebensbereiche anwendbar ist und Praxis erfordert. Mit der Übung fällt es einem immer leichter, sich von nutzlosen Besitztümern zu trennen und dadurch Platz für Neues zu schaffen, was man wirklich benötigt.
Der Grundgedanke ist folgender: Ich tue das für niemanden anderes, sondern ganz allein für mich. Minimalistisch zu leben führt mich zu wahrem inneren Reichtum. Ich lebe selbstbestimmt und erlebe daher alles um mich herum viel intensiver. Ich esse bewusster, ich spreche bewusster und ich kaufe bewusster. Ich spüre mich wieder selbst und kann endlich durchatmen!

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⇒ UMSETZUNG

Minimalismus bedeutet MEHR GELD, MEHR ZEIT, MEHR RUHE, MEHR FREUDE und WENIGER BALLAST.
Wenn du dich von dem Gedanken freimachst, anderen etwas beweisen zu müssen, und dich weniger mit materiellen Dingen beschäftigst, wirst du innerlich aufblühen und den Blickwinkel auf dein Leben verändern. Du wirst dich selbst aus einer anderen Perspektive kennen lernen und kannst dich dabei gleich neu erfinden. Doch zunächst solltest du deine Ausgangssituation kritisch und ehrlich hinterfragen.

1. Schritt – Prioriäten setzen

Frag dich folgendes:
• Wofür lebe ich?
• Was ist mir wirklich wichtig?
• Worauf freue ich mich am Tag, am Abend oder am Wochenende?
• Was stresst oder überfordert mich?
• Welche Dinge tue ich nur aus Gewohnheit?
• Welche Dinge verbrauchen nur Zeit ohne wirklichen Gewinn?
• Welche Verpflichtungen (Mitgliedschaften, Freundschaften, private Projekte, Hobbys o.ä.) fühlen sich wie eine Last an?
• Wovon wollte ich mich schon lange trennen, habe mich aber bisher nicht getraut?

2. Schritt – Alles, was du nicht brauchst, kann weg!

Fang an dich ganz ehrlich mit deinem persönlichen, materiellen Besitz auseinanderzusetzen (z.B. mithilfe der Magic Cleaning-Methode von Marie Kondo) und danach strikt auszusortieren. Dieses Vorhaben ermöglicht dir, die neugewonnenen Ressourcen wie Raum und Zeit so nutzen, dass sie den größtmöglichen, positiven Effekt auf dein Leben haben. Sie wollen nämlich mit neuer Substanz gefüllt werden!

Auch interessant: Die 30-tägige Minimalismus-Challenge

3. Schritt – Bewusster einkaufen

Frag dich zunächst: Brauche ich diesen Gegenstand wirklich? Oder lässt sich das, was ich bereits habe, doch noch reparieren? Auf welche Weise kann ich mein Hab und Gut optimieren und noch besser an meine Bedürfnisse anpassen? Falls die Antwort nun lautet: „Ja, ich brauche es wirklich“, dann gibt es ein paar grundlegende Faktoren, auf die du beim Kauf unbedingt achten solltest: Preis, Benutzbarkeit, Qualität, Lebensdauer und Reparierbarkeit (s. auch das ROAR-Prinzip).

Auch interessant: 12 Fragen an dich selbst, die dir helfen, weniger zu kaufen

4. Schritt – Wo kann ich noch reduzieren?

Nachdem du nun „physisch“ aussortiert hast, fang an dich in deinen angrenzenden Lebensbereichen umzuschauen. Nicht nur Habseligkeiten kannst Du auf das Wesentliche reduzieren, sondern auch „emotional“ lohnt es sich, regelmäßig aufzuräumen. Vielleicht reduzierst du deine Arbeitsstunden oder andere Verpflichtungen auf ein Minimum, um dich etwas Neuem widmen. Oder du schaust dir einmal deinen Freundes- und Bekanntenkreis genauer an und lässt Menschen los, die dir nicht gut tun.

5. Schritt – Digitaler Minimalismus

Minimalismus goes digital. Ein spannendes Thema, wie ich finde, das noch viel zu wenig Beachtung findet. Was sind die Grundlagen für ein reduziertes, digitales Leben weg von überfordernder Reizüberflutung und ständiger Erreichbarkeit? Hier findest du jede Menge Anregung, wie du dich in der digitalen Welt achtsamer bewegst.

Was reizt dich an dem Thema Minimalismus? Hast du schon erste Erfahrungen gesammelt? Teile dein Wissen gern mit uns über die Kommentare! ↓

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Ich bin tellyventure, dein inspirierender Wohlfühlblog mit Herz und Verstand. Hier schreibe ich über Themen wie Mindfulness, Lebensfreude, Abenteuer und Selbstentfaltung – also alles rund um ein glückliches und bewusstes Leben.

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2 Comments

  • Melanie
    2. Oktober 2018 at 19:45

    Wie immer wunderbar inspirierend. Ich möchte genau das werden und Du hast viele tolle Impulse geliefert. Danke ❤️

  • tellyventure
    tellyventure
    4. Oktober 2018 at 9:36

    Danke für deine schönen Worte, meine liebe Melli! <3 Ich freu mich, dass du etwas aus dem Beitrag mitnehmen konntest! 🙂 Fühl dich gedrückt!

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